Der Schuh als teures Unikat aus Maßanfertigung
Für jeden Anlass und für jede Witterung die passenden Schuhe zu haben, das gehörte vor noch nicht allzu langer Zeit zu den Privilegien einer kleinen Bevölkerungsschicht. Nicht ohne Grund sprachen die Zeitgenossen vor 150 Jahren von Schuhbau, wenn sie sich eine neue Fußbekleidung zulegen mussten. Denn die Herstellung von Schuhen war ein zeitaufwändiges Handwerk. Jeder Schuh ein Unikat, das vom Schuhmacher mit Nadel, Faden, Schere, Zange, Hammer nach einem Holzmodell, dem Leisten, aus Leder, Holz, Kork, Textilien, Metallnägeln und anderen Materialien handgearbeitet wurde.
Die ersten Schuhmarken entstehen im 19. Jahrhundert
Mit dem Aufkommen der industriellen Schuhproduktion ab Mitte des 19. Jahrhunderts wandelten sich die Arbeitsprozesse. Fußbekleidung wurde mit Hilfe von Maschinen zur Konfektionsware. Insbesondere in Süddeutschland wurden Schuhmanufakturen gegründet, wie die seit 1874 existierende Firma Rieker oder die seit 1885 bestehende Firma Salamander, die heute zu ara Shoes gehört. Im Norden legte das Unternehmen Lloyd Schuhe im Jahr 1888 den Grundstein für seine erste Schuhfabrik. Noch früher begann die Entwicklung zum Markenschuh in England, wo etwa Clarks bereits seit dem Jahr 1825 im Manufakturbetrieb fabriziert wurden.
Markenschuhe – große Auswahl bei bester Qualität zu guten Preisen
Die genormte Produktion ermöglichte die Herstellung von qualitativ hochwertigen Schuhen zu niedrigen Preisen. So wurden Schuhe von einer luxuriösen Notwendigkeit zu einem erschwinglichen Modeartikel. Der Schuhkauf wurde nicht länger nur von der Haltbarkeit des Materials, sondern vom Rhythmus der Mode, vom Wechsel der Farben und Stile bestimmt. Und auch das Renommee eines Herstellers spielte eine zunehmend wichtige Rolle. Da ging es um gute Qualität, konkurrenzfähige Preise und große Auswahl. So entstand beim Kunden langsam ein Bewusstsein für das, was Markenschuhe bis heute charakterisiert.
Im 20. Jahrhundert spezialisieren sich die Schuhmarken zunehmend
Wie in anderen Bereichen auch, so entwickelten sich in der Schuhherstellung neben den Allroundern, die von Kinderschuhen bis zum Herrenschuh eine Vielzahl von Modellen produzierten, neue Unternehmen, die sich auf bestimmte Schuharten spezialisierten. Beispiele sind Unternehmen wie adidas und Puma, die ab den 1920er Jahren mit der Fabrikation von Sportschuhen begannen. Mit ihrer Marke Reebok zählt die adidas-Gruppe heute auch nach dem Verkauf der Tochter Salomon weiterhin zu einem der Weltmarktführer für Sportschuhe. Gemeinsam mit dem US-Hersteller Nike, zu dem etwa die Marke Converse gehört. Spezialisierungen gab es jedoch auch hinsichtlich der gesundheitlichen Ansprüche an einen Schuh. Hier wurden Firmen wie die elsässische Unternehmung Mephisto oder Hersteller wie Birkenstock und Ecco international bekannt.
Viele Modelabels haben heute ihre eigenen Schuhmarken
Ihr Image als Gesundheitstreter haben die Produkte dieser Hersteller längst verloren. Der Grund: Die Schuhmode wird generell mehr auf den Lifestyle-Anspruch ausgerichtet. Schuhe sollen ein Image verkörpern. Marken wie Buffalo Boots oder Doc Martens bewiesen sogar, dass Unternehmen mit sehr charakteristischen Lifestyle-Schuhen international erfolgreich sein können. Heute zeichnen sich Markenschuhe, die nicht nach dem Hersteller benannt sind, oftmals durch das Label aus, das sie tragen. So gibt es eigene Schuhmarken von Hugo Boss, Jette Joop, Paul Green oder von Modemarken wie Esprit, Mustang, S. Oliver, Bugatti, Marc O´Polo und Diesel.
